Leserkommentar zum Beitrag "Wie der Staat die Familie zerstört" von Guido Hülsmann
Lothar Schwarz, Konstanz [Feedback ]
Der Beitrag von Prof. Dr. Hülsmann überzeugt mich nicht. Zwar kann ich nachvollziehen, daß z.B. die zwangsweise deutsche Rentenversicherung den Anreiz reduziert, Kinder in die Welt zu setzen. Es ist aber erstens unklar, wie stark dieser Einfluß ist und zweitens, welche nichtstaatlichen Einflußfaktoren es gibt und welches Gewicht sie im Vergleich zur staatlichen Versicherung haben.
Zur Klärung dieser Frage stelle ich ein Gedankenexperiment an. Gegeben sei eine liberale Welt mit einem Menschen mit durchschnittlichen Fähigkeiten, der ausser seiner Arbeitskraft über kein sonstiges Vermögen verfügt und auch nichts erben wird. Er möchte auch kein Unternehmer sein.
Unter diesen Vorausetzungen ist die Gründung einer Familie ökonomisch problematisch. Kinder kosten viel Geld und Zeit, in der kein Geld verdient werden kann. Da es unsicher ist, daß die Kinder den Menschen im Alter, wenn seine Arbeitskraft wertlos geworden ist, ernähren können oder wollen (eines von mehreren Risiken im Zusammenhang mit Kindern), muss er selber vorsorgen. Hat er Kinder, ist diese Vorsorge erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Also paßt er die Anzahl seiner Kinder (null miteingeschlossen) seinem Einkommen so an, daß er genügend Ersparnisse bilden kann. Eine private Rentenversicherung ab 65 z.B. kostet ca.15 % seines Bruttoein-kommens, eine Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsversicherung ca. 5 %. Diese Zahlen sind mit denen der staatlichen Zwangsversicherung vergleichbar. Also ist es naheliegend zu vermuten, daß die Auswirkung auf die Zahl der Kinder (einschließlich null) im aktuellen staatsinterventionistischen System genau so groß ist wie in einem liberalen System.
Ein Ausweg wäre das Verbot privater Rentenversicherungen; das aber ist mit Liberalismus unvereinbar.
[Feedback ]