FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 074

Eric Voegelin

Werke
7
Artikel
19
Generation
4.
Porträt von Eric Voegelin
FOL. 04 · N° 074 · Eric Voegelin
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Eric Voegelin, geboren als Erich Hermann Wilhelm Vögelin am 3. Januar 1901 in Köln, kam 1910 mit seinen Eltern nach Wien, wo er das Realgymnasium besuchte. Ab 1919 studierte er an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. 1922 promovierte er bei Hans Kelsen und Othmar Spann mit der Dissertation „Wechselwirkung und Gezweiung. Eine methodenkritische Untersuchung". Es folgten Studienjahre in den USA (1924 bis 1926 an der Columbia University, Harvard, der University of Wisconsin und Yale) sowie ein Jahr in Paris. 1928 habilitierte er sich in Wien mit der Schrift „Über die Form des amerikanischen Geistes". Ab 1929 lehrte er als Privatdozent für Staatslehre und Soziologie, 1936 wurde er Assistenzprofessor und wissenschaftlicher Assistent bei Hans Kelsen. In den Wiener Jahren bewegte sich Voegelin in vier sehr unterschiedlich orientierten Diskussionszirkeln: im Seminar Othmar Spanns, im Privatseminar Hans Kelsens, im Privatseminar Ludwig von Mises’ sowie im 1921 von Friedrich August von Hayek und Josef Herbert Fürth gegründeten Geist-Kreis. Aus dieser Zeit datiert auch die lebenslange Freundschaft mit Alfred Schütz, die nach 1938 in einem ausgedehnten Briefwechsel fortgeführt wurde. Nach dem Anschluss 1938 wurde Voegelin von der Universität entlassen, entging knapp einer Verhaftung durch die Gestapo und floh über die Schweiz in die USA. Nach kurzen Lehrtätigkeiten in Harvard, Bennington und Alabama kam er 1942 an die Louisiana State University in Baton Rouge, wo er bis 1958 lehrte. 1944 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft. 1958 nahm er den Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität München auf den seit 1920 vakanten Lehrstuhl Max Webers an und gründete das Institut für Politische Wissenschaft. 1969 kehrte er in die USA zurück, zunächst als Henry Salvatori Distinguished Scholar, später als Senior Research Fellow der Hoover Institution in Stanford. Er starb am 19. Januar 1985 in Palo Alto. Voegelins Werk reicht von frühen rassentheoretischen Kritiken („Rasse und Staat", 1933) über die Analyse moderner Totalitarismen als säkulare Ersatzreligionen („Die politischen Religionen", 1938) bis zur grossangelegten politischen Philosophie der Spätphase, vor allem „The New Science of Politics" (1952) und der fünfbändigen Reihe „Order and History" (1956 bis 1987, der letzte Band posthum). Mit seiner Gnosis-These wurde er zu einem der einflussreichsten politischen Denker des 20. Jahrhunderts.
Metadaten
3. Januar 1901
19. Januar 1985
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1910
    1910
    Umzug der Familie von Köln nach Wien

    Der neunjährige Voegelin zieht mit seinen Eltern nach Wien und besucht dort das Realgymnasium.

  2. ⁦1919–1922⁩
    ⁦1919–1922⁩
    Studium an der Universität Wien

    Studium der Staats- und Gesellschaftslehre an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät.

  3. 1922
    1922
    Promotion zum Dr. rer. pol.

    Dissertation „Wechselwirkung und Gezweiung. Eine methodenkritische Untersuchung" bei Hans Kelsen und Othmar Spann.

  4. ⁦1924–1926⁩
    ⁦1924–1926⁩
    Studienjahre in den Vereinigten Staaten

    Studienaufenthalte an Columbia, Harvard, University of Wisconsin und Yale; Begegnungen mit John Dewey, Alfred N. Whitehead und John R. Commons.

  5. 1928
    1928
    Habilitation an der Universität Wien

    Habilitationsschrift „Über die Form des amerikanischen Geistes".

  6. ⁦1929–1938⁩
    ⁦1929–1938⁩
    Privatdozent, ab 1936 Assistenzprofessor

    Lehre für Staatslehre und Soziologie; 1936 Assistenzprofessor und wissenschaftlicher Assistent bei Hans Kelsen.

  7. 1938
    1938
    Flucht nach dem Anschluss

    Nach der Entlassung von der Universität entgeht Voegelin knapp der Gestapo, flieht über die Schweiz und gelangt in die USA.

  8. ⁦1939–1942⁩
    ⁦1939–1942⁩
    Erste US-Stationen

    Harvard Fellow (1939), Assistant Professor an Bennington College und der University of Alabama.

  9. ⁦1942–1958⁩
    ⁦1942–1958⁩
    Louisiana State University

    Zunächst Visiting Professor, ab 1946 Full Professor am Department of Government der LSU.

  10. 1944
    1944
    US-Staatsbürgerschaft

    Voegelin und seine Frau Lissy erhalten 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft.

  11. ⁦1958–1968⁩
    ⁦1958–1968⁩
    Lehrstuhl Max Webers an der LMU München

    Voegelin übernimmt den seit 1920 vakanten Max-Weber-Lehrstuhl und gründet das Institut für Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

  12. ⁦1969–1985⁩
    ⁦1969–1985⁩
    Hoover Institution, Stanford University

    Rückkehr in die USA als Henry Salvatori Distinguished Scholar (1969 bis 1974), danach Senior Research Fellow an der Hoover Institution bis zum Tod 1985.

  13. 1985
    1985
    Tod in Palo Alto

    Voegelin stirbt am 19. Januar 1985 in Palo Alto, Kalifornien.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 5
  1. ⁦1919–1922⁩
    ⁦1919–1922⁩
    Hans Kelsen⁦(1881–1973)⁩ · Wiener Rechtstheorie

    Kelsen betreute zusammen mit Othmar Spann Voegelins Dissertation „Wechselwirkung und Gezweiung" (1922).[3]

  2. ⁦1919–1922⁩
    ⁦1919–1922⁩
    Othmar Spann⁦(1878–1950)⁩ · Universalismus

    Spann war neben Kelsen Betreuer der Dissertation Voegelins.[3]

  3. 1928
    1928
    Hans Kelsen⁦(1881–1973)⁩ · Wiener Rechtstheorie

    Voegelin habilitierte sich 1928 im Umfeld Kelsens; ab 1936 war er dessen Assistenzprofessor und wissenschaftlicher Assistent für Verfassungs- und Verwaltungsrecht.[4]

  4. ⁦1934–1964⁩
    ⁦1934–1964⁩
    Leo Strauss⁦(1899–1973)⁩ · Politische Philosophie

    Briefwechsel zwischen Voegelin und Strauss von 1934 bis 1964 über das Verhältnis von Glauben und Wissen.[1]

  5. —
    —
    Max Weber⁦(1864–1920)⁩ · Heidelberger Schule

    Voegelin verstand sich als Schüler Webers in der Tradition wertfreier Wissenschaft; 1958 übernahm er Webers früheren Lehrstuhl an der LMU München.[5]

Eric Voegelin im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN10 Belege · 2 Quellen
  • [1]Glaube und Wissen: Briefwechsel Voegelin–Strauss 1934–1964 (Fink 2010)
  • [2]Faith and Political Philosophy: Strauss–Voegelin Correspondence 1934–1964 (Penn State 1993)
WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1928
Über die Form des amerikanischen Geistes
OriginalDeutsch
1930er
1933
Rasse und Staat
OriginalDeutsch
1936
Der autoritäre Staat
OriginalDeutsch
1938
Die politischen Religionen
OriginalDeutsch
1950er
1952
The New Science of Politics
OriginalEnglisch
1956
Order and History
OriginalEnglisch
1960er
1966
Anamnesis. Zur Theorie der Geschichte und Politik
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 19 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1924
Die Zeit in der Wirtschaft
OriginalDeutsch
1927
Kelsen's Pure Theory of Law
OriginalEnglisch
1928
Der Sinn der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789
OriginalDeutsch
Die ergänzende Bill zum Federal Reserve Act und die Dollarstabilisation
OriginalDeutsch
1930er
1930
Die Einheit des Rechtes und das soziale Sinngebilde Staat
OriginalDeutsch
1931
Die Verfassungslehre von Carl Schmitt
OriginalDeutsch
1936
Rezension zu Bernhard Laum, Die geschlossene Wirtschaft
OriginalDeutsch
Rezension zu Mélanges offerts à Ernest Mahaim
OriginalDeutsch
1940er
1943
[Buchnotiz zu] Alec de Montmorency: The Enigma of Admiral Darlan
OriginalEnglisch
1944
[Rezension zu] Marvin Farber: The Foundation of Phenomenology
OriginalEnglisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise