FOLIO I · DENKER · GEN. 05 · N° 048

Hans-Hermann Hoppe

Werke
20
Artikel
94
Generation
5.
Porträt von Hans-Hermann HoppePorträt von Hans-Hermann Hoppe: Hans-Hermann Hoppe, Vortrag (Henrique Vicente, Flickr) (2011)Porträt von Hans-Hermann Hoppe: Hans-Hermann Hoppe, „Rockstar“ (2025, hanshoppe.com) (2025)
FOL. 05 · N° 048 · Hans-Hermann Hoppe
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Hans-Hermann Hoppe, ein gebürtiger Deutscher, der seine Disseration im Fach Philosophie bei Jürgen Habermas absolvierte, ging bereits früh zu Studienzwecken in die USA und übernahm als langjähriger Schüler Murray N. Rothbards schließlich dessen Lehrstuhl an der University of Nevada. Mit seiner Kritik der kausalwissenschaftlichen Sozialforschung (1983) gelang Hoppe ein wesentlicher Beitrag zur Widerlegung des Empirismus und Positivismus. Kausalwissenschaftliche Sozialforschung sei logisch unmöglich, da sie mit der von jedem Wissenschaftler implizit als gültig anerkannten und argumentativ nicht widerspruchsfrei zu bestreitenden Aussage, man könne lernen, unvereinbar ist. Die Ökonomie könne daher keine empirische Sozialwissenschaft sein, sondern müsse als apriorische Handlungswissenschaft begriffen werden. In A Theory of Socialism and Capitalism (1989) definierte Hoppe den Sozialismus, als ein institutionalisiertes Verfahren der Aggression gegen das Eigentum, als ein zutiefst unmoralisches Gesellschaftssystem, das keinesfalls einer „natürlichen Ordnung“ entspreche. Dieser Grundgedanke wurde in Democracy: The God That Failed (2001) weiter ausgebaut und um eine grundlegende und umfassende Demokratiekritik erweitert. Hoppe schrieb zahlreiche Bücher und Artikel zu theoretischen Fragestellungen der Austrians sowie zur Naturrechtsethik, aber auch wider die vorherrschenden ökonomischen Irrtümer mit den Schwerpunkten „Geldtheorie“ und „öffentliche Güter“. 2006 begründete er die Property and Freedom Society, ein Diskussionsforum, das sich der intellektuellen Radikalität in der Mises-Rothbard Tradition verpflichtet fühlt.
Metadaten
2. September 1949
lebt
5. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1949
    1949
    Geburt

    Geboren am 2. September 1949 in Peine.[1]

  2. ⁦1968–1974⁩
    ⁦1968–1974⁩
    Studium Philosophie/Soziologie/Geschichte/Ökonomie— ungefähr

    Studium an der Universität des Saarlandes (Saarbrücken), an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und an der University of Michigan (Ann Arbor) in Philosophie, Soziologie, Geschichte und Ökonomie.[1]

  3. 1974
    1974
    Promotion in Philosophie bei Habermas

    Promotion in Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main bei Jürgen Habermas (1974).[1]

  4. ⁦1976–1978⁩
    ⁦1976–1978⁩
    Postdoc-Stipendium University of Michigan— ungefähr

    Post-doctoral fellowship an der University of Michigan, Ann Arbor (1976–1978).[1]

  5. 1981
    1981
    Habilitation Frankfurt

    Habilitation in Soziologie und Ökonomie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main (1981).[1]

  6. ⁦1981–1985⁩
    ⁦1981–1985⁩
    Lehre an deutschen Universitäten und Johns Hopkins (Bologna)— ungefähr

    Lehrtätigkeit an mehreren deutschen Universitäten sowie am Johns Hopkins University Bologna Center vor der Übersiedlung in die USA.[1]

  7. 1983
    1983
    „Kritik der kausalwissenschaftlichen Sozialforschung“

    Mit „Kritik der kausalwissenschaftlichen Sozialforschung“ (1983) gelang Hoppe ein wesentlicher Beitrag zur Widerlegung des Empirismus und Positivismus. Kausalwissenschaftliche Sozialforschung sei logisch unmöglich.

  8. 1986
    1986
    Wechsel in die USA— inferiert

    Ging früh zu Studienzwecken in die USA und wurde langjähriger Schüler Murray N. Rothbards.

  9. ⁦1986–2008⁩
    ⁦1986–2008⁩
    Professur University of Nevada, Las Vegas

    Ab 1986 Professor of Economics an der University of Nevada, Las Vegas (UNLV); enge Zusammenarbeit mit Murray N. Rothbard. Übernahm nach Rothbards Tod 1995 dessen Lehrstuhl als langjähriger Schüler. Emeritierung 2008.[1]

  10. 1989
    1989
    „A Theory of Socialism and Capitalism“

    In „A Theory of Socialism and Capitalism“ (1989) definierte Hoppe den Sozialismus als institutionalisiertes Verfahren der Aggression gegen das Eigentum.

  11. 2001
    2001
    „Democracy: The God That Failed“

    Mit „Democracy: The God That Failed“ (2001) baute Hoppe seinen Grundgedanken weiter aus und erweiterte ihn um eine grundlegende Demokratiekritik.

  12. 2006
    2006
    Gründung der Property and Freedom Society

    Im Mai 2006 in Bodrum (Türkei) Gründung der Property and Freedom Society als libertäres Diskussionsforum, das sich der intellektuellen Radikalität in der Mises-Rothbard-Tradition verpflichtet fühlt.[1]

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 3
  1. ⁦1969–1981⁩
    ⁦1969–1981⁩
    Jürgen Habermas⁦(1929–2026)⁩ · Frankfurter Schule

    Hoppe absolvierte 1974 seine Dissertation und 1981 seine Habilitation im Fach Philosophie bei Jürgen Habermas an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. In den Folgejahren entfernte er sich entschieden von der Frankfurter Schule und entwickelte mit der Argumentationsethik eine apriorische Begründung des Privateigentums, die Habermas' diskurs-pragmatische Methode aufnimmt, aber zu entgegengesetzten Schlüssen führt: jede argumentative Auseinandersetzung setzt nach Hoppe das ausschließliche Eigentum am eigenen Körper und an knappen Mitteln voraus. Die Argumentation findet sich zentral in „A Theory of Socialism and Capitalism" (1989) und „The Economics and Ethics of Private Property" (1993).[1]

  2. ⁦1986–1995⁩
    ⁦1986–1995⁩

    Hoppe ging zu Studienzwecken in die USA und wurde langjähriger Schüler Murray N. Rothbards; er übernahm schließlich dessen Lehrstuhl an der University of Nevada, Las Vegas.[1]

  3. —
    —
    Karl-Otto Apel⁦(1922–2017)⁩ · Diskursethik

    Apels Diskursethik prägte Hoppes spätere Argumentationsethik; Apel war ein zentraler philosophischer Bezugspunkt seiner Frankfurter Studienzeit.[2]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 1
  1. ⁦1986–1995⁩
    ⁦1986–1995⁩

    Hoppe und Rothbard waren ab 1986 gemeinsam an der University of Nevada, Las Vegas, tätig; nach Rothbards Tod 1995 übernahm Hoppe dessen Lehrstuhl.

Hans-Hermann Hoppe im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN13 Belege · 3 Quellen
  • [2]Hoppe: A Theory of Socialism and Capitalism (Argumentationsethik mit Apel-Bezug)
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1970er
1976
Handeln und Erkennen: Zur Kritik des Empirismus am Beispiel der Philosophie David Humes
OriginalDeutsch
1980er
1983
Hans-Hermann Hoppe argumentiert, dass eine kausalwissenschaftliche, prognostizierende Sozialforschung logisch unmöglich ist. Den Kern bildet der Nachweis, dass die Behauptung, man betreibe als Sozialwissenschaftler Kausalforschung, im Widerspruch zu dem apriori gültigen, argumentativ nicht bestreitbaren Satz steht, dass Menschen lernen können. Daraus zieht Hoppe zwei Konsequenzen: Als empirische Disziplin könne Sozialforschung nur rekonstruierend verfahren, in Analogie zur Grammatik einer Sprache; daneben sei eine aprioristische Handlungswissenschaft möglich, deren Muster die Ökonomie ist. Das erste Kapitel entwickelt die Unmöglichkeitsthese am Beispiel der Regressionsanalyse und des Konstanzprinzips, das zweite begründet die Soziologie als rekonstruierende Handlungsgrammatik, das dritte die Ökonomie als apriorische Wissenschaft und illustriert sie an Grenznutzentheorem, Ertragsgesetz und der Konjunkturtheorie. Hoppe knüpft erklärtermassen an Mises und die österreichische Schule an und setzt sich mit Popper, Hume und Kant auseinander.
OriginalDeutsch
1987
Hans-Hermann Hoppe entfaltet in fünf in sich abgeschlossenen Studien und einem Anhang die These, dass sich normative Gesellschaftstheorien streng begründen lassen und dass die einzige rechtfertigbare Ordnung der individualistische Privateigentums-Anarchismus ist, den Hoppe mit einem hundertprozentigen Kapitalismus bzw. einer reinen Privatrechtsgesellschaft gleichsetzt. Argumentiert wird, dass die Existenz eines Staates, auch eines liberalen Minimalstaates, weder moralisch noch ökonomisch begründbar sei, weil sie auf zwangsweiser Besteuerung beruht. Grundlage der Beweisführung sind das Gewaltausschlussprinzip und das Recht auf ursprüngliche Appropriation. Die Studien behandeln die Begründbarkeit von Normen, die Theorie der sozialen Wohlfahrt und Wohlfahrtsmessung, die Grundlagen der Eigentumstheorie sowie eine Theorie wirtschaftlicher und staatlicher Ordnungen. Hoppe setzt sich dabei mit der von Hobbes bis Nozick reichenden Tradition politischer Theorie, mit der Theorie öffentlicher Güter und mit Humes Eigentumslehre auseinander; das Buch erschien 1987.
OriginalDeutsch
1989
Hans-Hermann Hoppe entwickelt eine systematische Theorie von Sozialismus und Kapitalismus auf Grundlage einer Eigentumstheorie. Sozialismus definiert er als institutionalisierte Aggression gegen privates Eigentum, Kapitalismus als ein auf Erstaneignung und vertraglichem Tausch beruhendes System; reale Gesellschaften liegen graduell zwischen beiden Polen. Aufbauend auf der 'natural theory of property' analysiert das Werk vier Spielarten des Sozialismus, russischer (marxistischer) Stil, sozialdemokratischer Umverteilungs-Stil, der Sozialismus des Konservatismus und der des Social Engineering, und leitet für jede einen relativen Verarmungseffekt ab. Argumentiert wird vorwiegend deduktiv, mit illustrativen Vergleichen wie West- und Ostdeutschland; eigene Kapitel widmen sich der ethischen Rechtfertigung des Kapitalismus, der sozialpsychologischen Theorie des Staates sowie den Problemen von Monopol und öffentlichen Gütern. Das Buch verweist als erklärten Bezugspunkt insbesondere auf Murray N. Rothbard und Ludwig von Mises.
OriginalEnglisch
1990er
1993
Fünfzehn Aufsätze von Hans-Hermann Hoppe zu Ökonomie und Philosophie des Privateigentums, gewidmet seinem Lehrer Murray N. Rothbard. Der ökonomische Teil behandelt die Theorie öffentlicher Güter, Steuern, Geld- und Bankwesen, marxistische und österreichische Klassenanalyse, eine misesianische Kritik an Keynes sowie die Frage nach Möglichkeit und Folgen des Fiat-Geldes. Der philosophische Teil begründet die Praxeologie als Fundament der Erkenntnistheorie, kritisiert kausalwissenschaftliche Methoden in den Sozialwissenschaften und entwickelt eine apriorische, argumentationsethische Rechtfertigung des Privateigentums. Hoppe argumentiert durchgängig deduktiv aus dem Handlungsbegriff und in der Tradition von Mises und Rothbard. Ein Anhang antwortet auf vier kritische Repliken zu seiner Argumentationsethik. Die Aufsätze erschienen zuvor einzeln, unter anderem im Journal of Libertarian Studies und im Review of Austrian Economics.
OriginalEnglisch
1995
Economic Science and the Austrian Method
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Ökonomik als Wissenschaft und die Methode der Österreichischen Schule
    OriginalDeutsch
1996
Ludwig von Mises' Die Gemeinwirtschaft Vademecum zu einem Klassiker
OriginalDeutsch
2000er
2001
In "Democracy: The God That Failed" (Demokratie: Der Gott, der versagte) entwickelt Hans-Hermann Hoppe einen revisionistischen Vergleich von Monarchie, Demokratie und einer staatenlosen „natürlichen Ordnung", die auf Privateigentum gründet. Indem er die Monarchie als Regierung in Privateigentum und die Demokratie als Regierung in öffentlichem Eigentum rekonstruiert, argumentiert er, der historische Übergang von Königen zu gewählten Herrschern habe die Zeitpräferenz erhöht, den Kapitalkonsum begünstigt und bedeute einen zivilisatorischen Niedergang statt Fortschritt. Die dreizehn in sich geschlossenen Kapitel, die meisten aus Konferenzbeiträgen entwickelt, behandeln Besteuerung, Schulden, Inflation, Krieg, Umverteilung, Zentralisierung und Sezession, Sozialismus und Privatisierung, Einwanderung und Freihandel, Konservatismus und Libertarismus sowie die Unmöglichkeit einer begrenzten Regierung. Durchgehend stützt sich Hoppe ausdrücklich auf die österreichische Wirtschaftstheorie sowie auf Ludwig von Mises und Murray N. Rothbard und stellt seine Argumentation als praxeologisch statt empirisch dar. Er schlägt Sezession, Privatisierung und die Delegitimierung demokratischer Herrschaft als Weg hin zu einer Privatrechtsgesellschaft vor.
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
2003
Der Sammelband bestreitet die zwei verbreiteten Annahmen, dass jedes Monopol konsumentenschädlich sei und dass die Produktion von Sicherheit dennoch dem staatlichen Monopol vorbehalten bleiben müsse. Die elf Beiträge argumentieren, dass die zweite These falsch ist und Schutz wie jedes andere Gut privat und wettbewerblich erzeugt werden kann. Anknüpfend an Gustave de Molinari, dem der Band gewidmet ist, und an Murray Rothbard behandeln die Autoren die Historizität des Staates, Monarchie und Demokratie im Verhältnis zum Krieg, nukleare Proliferation, Söldner, Milizen und Guerillas, das Privateering der Seekriegsführung sowie Versicherungsmodelle privater Verteidigung und die Rolle der Sezession. Die Argumentation verbindet österreichische Ökonomie, Public-Choice-Theorie und historische Fallstudien und richtet sich gegen die Hobbessche Begründung des Staates als Sicherheitsgaranten.
OriginalEnglisch
2009
Libertad o socialismo
OriginalSpanisch
ARTIKEL · 94 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1970er
1976
Wirtschaftliche Rezession, Konfliktbereitschaft, und Reformbestrebungen in der Arbeitnehmerschaft, Gewerkschaftliche Monatshefte
OriginalDeutsch
1977
Beeinflussungsfaktoren der Konfliktbereitschaft bei Metallarbeitern, Sozialer Fortschritt
OriginalDeutsch
Einflussfaktoren auf die Konfliktbereitschaft von Arbeitern, Soziale Welt
OriginalDeutsch
Sicherheits- und Entfaltungswünsche, Neue Gesellschaft
OriginalDeutsch
1980er
1980
On How Not To Make Inferences About Measurement Error, Quality and Quantity
OriginalEnglisch
1981
Über die Verwendung ungemessener Variablen in Kausalmodellen. Eine epistemologische Kritik, Zeitschrift für Soziologie
OriginalDeutsch
1982
Staatsausgaben für produktive Arbeitsplätze? Über die Wirkungen von Beschäftigungsprogrammen, Orientierungen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik
OriginalDeutsch
Über ungemessene Variablen. Von einem Fehlschluss und zwei unbeantworteten Fragen, Zeitschrift für Soziologie
OriginalDeutsch
Vom Konzept der Wohlfahrtsmessung zur Theorie der Gerechtigkeit, Zeitschrift für Politik
OriginalDeutsch
1983
Is Research Based on Causal Scientific Principles Possible in the Social Sciences?
OriginalEnglisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise