FOLIO I · DENKER · GEN. 03 · N° 066

Karl Pribram

Werke
12
Artikel
47
Generation
3.
KP
FOL. 03 · N° 066 · Karl Pribram
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Karl Eman Pribram wurde am 2. Dezember 1877 in Prag als Sohn des Juristen und Versicherungsanstaltspräsidenten Otto Pribram und seiner Frau Leonore, geborene Popper, in eine bekannte deutschböhmisch-jüdische Familie geboren; später trat er zum Katholizismus über. Nach dem Jus-Studium an der Deutschen Karls-Universität promovierte er dort 1900. Ausbildungsstationen in Berlin und Wien folgten, und 1907 habilitierte er sich in Wien mit der zweibändigen „Geschichte der österreichischen Gewerbepolitik von 1740 bis 1860“. Von 1907 bis 1914 lehrte Pribram als Privatdozent an der Universität Wien, ab 1914 als ausserordentlicher Professor. Parallel war er von 1909 bis 1921 Sekretär und Generalsekretär der Zentralstelle für Wohnungsreform; von 1918 bis 1921 leitete er als Sektionschef die Abteilung für Sozialgesetzgebung des österreichischen Sozialministeriums und wirkte an Achtstundentag, Arbeitslosenversicherung und Betriebsrätegesetz der jungen Republik mit. 1921 wechselte er als Abteilungsleiter für Statistik und Forschung an das Internationale Arbeitsamt (ILO) in Genf, wo er internationale Arbeitsstatistik und Sozialversicherungsfragen prägte. 1928 folgte er einem Ruf auf das Frankfurter Ordinariat für Volkswirtschaftslehre und übernahm zugleich die Direktion des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts. 1933 wurde er als „nichtarisch“ entlassen und emigrierte Ende des Jahres über Mexiko in die USA. Dort arbeitete er als Research Member der Brookings Institution (1934–1936), beim US Social Security Board (1936–1942) und als Senior Economist der US Tariff Commission (1942–1951); von 1939 bis 1952 lehrte er parallel an der American University in Washington. Intellektuell verband Pribram die methodischen Werkzeuge der Wiener Schule (Menger, Wieser, Böhm-Bawerk) mit Elementen der deutschen Historischen Schule und einer empirisch-statistischen Sozialforschung. Sein lebenslanges Interesse galt den philosophischen Voraussetzungen ökonomischer Theoriebildung. In „Conflicting Patterns of Thought“ (1949) und im postum 1983 erschienenen „A History of Economic Reasoning“ zeichnete er vier konkurrierende Denkmuster der Ökonomik nach, deren Wurzeln er bis in den mittelalterlichen Universalienstreit zurückverfolgte. Karl Pribram war der Onkel des Neurowissenschaftlers Karl H. Pribram (1919–2015); er starb am 15. Juli 1973 in Washington D.C.
Metadaten
2. Dezember 1877
in Prag, Österreich-Ungarn
15. Juli 1973
3. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1900
    1900
    Dr. iur., Deutsche Karls-Universität

    Promotion zum Doktor der Rechte an der Deutschen Karls-Universität in Prag.

  2. 1907
    1907
    Habilitation Universität Wien

    Habilitation mit der wirtschaftshistorischen Arbeit „Geschichte der österreichischen Gewerbepolitik von 1740 bis 1860“.

  3. ⁦1907–1914⁩
    ⁦1907–1914⁩
    Privatdozent für Nationalökonomie

    Privatdozent an der Universität Wien; Lehre in Nationalökonomie und Wirtschaftsgeschichte.

  4. ⁦1909–1921⁩
    ⁦1909–1921⁩
    Generalsekretär Zentralstelle für Wohnungsreform

    Sekretär, später Generalsekretär der Zentralstelle für Wohnungsreform in Wien.

  5. ⁦1914–1921⁩
    ⁦1914–1921⁩
    Ausserordentlicher Professor

    Ausserordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Wien.

  6. ⁦1918–1921⁩
    ⁦1918–1921⁩
    Sektionschef Sozialministerium

    Leiter der Abteilung für Sozialgesetzgebung im österreichischen Sozialministerium; Mitwirkung an Achtstundentag, Arbeitslosenversicherung und Betriebsrätegesetz.

  7. ⁦1921–1928⁩
    ⁦1921–1928⁩
    Abteilungsleiter ILO (Statistik/Forschung)

    Leiter der Abteilung für Statistik und Forschung am Internationalen Arbeitsamt (ILO) in Genf.

  8. ⁦1928–1933⁩
    ⁦1928–1933⁩
    Ordinarius für Volkswirtschaftslehre

    Ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt am Main und Direktor des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts.

  9. 1933
    1933
    Vertreibung und Emigration in die USA

    Entlassung aus Frankfurt nach den NS-Rassegesetzen; Emigration Ende 1933 über Mexiko in die USA.

  10. ⁦1934–1936⁩
    ⁦1934–1936⁩
    Research Member Brookings Institution

    Forschungsmitglied der Brookings Institution; Arbeit zu Kartellen und internationaler Wirtschaftspolitik.

  11. ⁦1936–1942⁩
    ⁦1936–1942⁩
    US Social Security Board

    Ökonom beim US Social Security Board; Arbeit zu vergleichender Sozialversicherung und Arbeitslosenkompensation.

  12. ⁦1939–1952⁩
    ⁦1939–1952⁩
    Professor American University

    Professor of Economics an der American University in Washington D.C.; parallele Lehrtätigkeit neben Regierungsdienst.

  13. ⁦1942–1951⁩
    ⁦1942–1951⁩
    Senior Economist US Tariff Commission

    Leitender Ökonom der United States Tariff Commission mit Fokus auf internationale Handelspolitik.

  14. 1973
    1973
    Tod in Washington

    Karl Pribram starb am 15. Juli 1973 in Washington D.C.

Beziehungen

Beeinflussungen

Für Karl Pribram sind in den durchsuchten Quellen keine namentlich belegten Beziehungen verzeichnet.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1900er
1904
Der Lohnschutz des gewerblichen Arbeiters nach österreichischem Recht
OriginalDeutsch
1907
Geschichte der österreichischen Gewerbepolitik von 1740 bis 1860 (Bd. 1: 1740–1798)
OriginalDeutsch
1910er
1910
Das erste österreichische Patentgesetz vom 16. Jänner 1810. Ein Beitrag zur Geschichte der österreichischen Gewerbepolitik
OriginalDeutsch
1912
Die Entstehung der individualistischen Sozialphilosophie
OriginalDeutsch
1918
Die Grundgedanken der Wirtschaftspolitik der Zukunft
OriginalDeutsch
1920er
1925
Probleme der internationalen Arbeitsstatistik
OriginalDeutsch
1927
Die Probleme der internationalen Sozialpolitik
OriginalDeutsch
1928
Internationale Wirtschaftspolitik und internationale Sozialpolitik. Ihre Wurzeln und Anschauungsformen
OriginalDeutsch
1930er
1930
Die städtische Grundrente im Konjunkturverlauf
OriginalDeutsch
1935
Cartel Problems: An Analysis of Collective Monopolies in Europe with American Application
OriginalEnglisch
ARTIKEL · 47 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1900er
1908
Die Idee des Gleichgewichtes in der älteren nationalökonomischen Theorie
OriginalDeutsch
1910er
1911
Die sechste Generalversammlung der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz
OriginalDeutsch
1916
Die Rechtsformen der Kriegerheimstätten
OriginalDeutsch
Über die Beziehungen zwischen der Handelspolitik und der auswärtigen Politik
OriginalDeutsch
1917
Die Weltanschauungen der Völker und ihre Politik
OriginalDeutsch
Freiheit oder Zwang im Wirtschaftsleben der Zukunft
OriginalDeutsch
Probleme des Städtebaues im Lichte der Wirtschaftspolitik
OriginalDeutsch
Zur Entwicklung der Lebensmittelpreise in der Kriegszeit
OriginalDeutsch
1919
Sozialisierung und wirtschaftliche Individualrechte
OriginalDeutsch
1920er
1921
Die Sozialpolitik im neuen Oesterreich
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise