FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 047

Murray N. Rothbard

Werke
51
Artikel
173
Generation
4.
Porträt von Murray N. RothbardPorträt von Murray N. Rothbard: Junger Murray Rothbard (1955)Porträt von Murray N. Rothbard: Rothbard an der Tafel (1985)
FOL. 04 · N° 047 · Murray N. Rothbard
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Der vielleicht bedeutendeste Mises-Schüler in der Neuen Welt wurde Murray N. Rothbard. Rothbard erlangte einen B.A. in Mathematik und einen Ph.D. in Volkswirtschaftslehre an der Colombia University. Währenddessen besuchte er in den 50er-Jahren Mises' Seminar an der New York University. Später war er Professor am Brooklyn Polytechnic Institute (1966-1986) und an der University of Nevada in Las Vegas (1986-1995). Bereits mit seinem zweibändigen, opulenten Frühwerk Man, Economy and State (1962) konnte Rothbard die Ansätze seines Lehrers insbesondere in den Bereichen der Geldtheorie, der Monopoltheorie sowie der Kapital- und Zinstheorie weiter vertiefen. In America’s Great Depression (1963) legte er mit fundierten wirtschaftstheoretischen und historischen Kenntnissen dar, über welche Kanäle die für den künstlichen Boom in den „Goldenen 20ern“ verantwortlich zeichnende Inflationierung vonstatten ging, die dann unvermeidlich im Börsencrash von 1929 mündete. Mit dieser Deutung widersprach er der heute noch vorherrschenden, keynesianisch gefärbten Interpretation des „Schwarzen Donnerstag“. Mit seinem zweibändigen, dogmenhistorischen Werk An Austrian Perspective on the History of Economic Thought (1995) legte Rothbard eine umfassende ökonomische Theoriegeschichte aus dem Blickwinkel der Austrians vor. Neben seiner Lehrtätigkeit in New York und Las Vegas verfasste er weit über tausend Artikel und 25 Bücher, darunter auch Arbeiten zur politischen Philosophie und Naturrechtsethik. Als politischer Agitator kritisierte er scharf die aggressive Außenpolitik der USA, die Ausdehnung des Staates sowie die Beschneidung grundlegender Freiheitsrechte und entwickelte sich zu einem radikalen Vertreter der libertären Bewegung, der seine pazifistische Grundhaltung jedoch stets beibehielt.
Metadaten
2. März 1926
7. Januar 1995
4. Generation
Der Podcast

Die Folge zu Murray N. Rothbard

Murray N. Rothbard zum Hören: das Leben, die eine Idee, das berühmteste Argument und welches Werk man zuerst liest. Rund 15 Minuten.

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Lebensstationen

Stationen

  1. 1926
    1926
    Geburt

    Geboren am 2. März 1926 in New York City.[1]

  2. ⁦1945–1956⁩
    ⁦1945–1956⁩
    Studium an der Columbia University

    Erlangte einen B.A. in Mathematik und einen Ph.D. in Volkswirtschaftslehre an der Columbia University.

  3. ⁦1949–1959⁩
    ⁦1949–1959⁩
    Mises-Privatseminar an der NYU

    Begann 1949 nach der Lektuere von Mises' „Human Action" das Privatseminar an der NYU regelmäßig zu besuchen; aktiv bis in die 1970er Jahre. bio_de nennt die 1950er-Jahre als Kernphase.[1]

  4. ⁦1950–1962⁩
    ⁦1950–1962⁩
    Senior Analyst beim William Volker Fund

    In den 1950er-Jahren bis 1962 als „senior analyst" mit Forschungsstipendium des William Volker Fund – die finanzielle Basis für Rothbards frühe Hauptwerke.[1]

  5. 1953
    1953
    Heirat mit JoAnn Schumacher

    Heiratete 1953 in New York City JoAnn Beatrice Schumacher; sie blieb bis zu Rothbards Tod 1995 seine Lebenspartnerin.[8]

  6. 1956
    1956
    Ph.D. Columbia („The Panic of 1819")

    Promovierte 1956 mit der Dissertation „The Panic of 1819" an der Columbia University. Die Arbeit war jahrelang verzoegert – Arthur Burns lehnte sie ab; erst nachdem Burns die Columbia-Fakultät verlassen hatte, um Eisenhowers Council of Economic Advisers zu leiten, wurde sie unter Joseph Dorfman akzeptiert.[1]

  7. 1962
    1962
    „Man, Economy and State“

    Erscheinen des zweibändigen Frühwerks „Man, Economy and State“, in dem Rothbard die Ansätze von Mises in Geldtheorie, Monopoltheorie sowie Kapital- und Zinstheorie weiter vertiefte.[1]

  8. 1963
    1963
    „America’s Great Depression“

    Erscheinen von „America’s Great Depression“. Rothbard legte dar, wie die Inflationierung der „Goldenen 20er“ in den Börsencrash von 1929 mündete, und widersprach der keynesianischen Interpretation.[1]

  9. 1964
    1964
    „What Has Government Done to Our Money?"

    Pamphletartige Schrift zur Geldgeschichte und zum staatlichen Eingriff in das Geldsystem; eines der einflussreichsten Goldstandard-Plaedoyers der zweiten Haelfte des 20. Jahrhunderts.[1]

  10. ⁦1966–1986⁩
    ⁦1966–1986⁩
    Professur am Brooklyn Polytechnic Institute

    Professor am Brooklyn Polytechnic Institute von 1966 bis 1986.[1]

  11. 1973
    1973
    „For a New Liberty"

    Hauptwerk zur libertaeren Programmschrift; entwirft eine systematische anarchokapitalistische Gesellschaftsordnung.[1]

  12. 1976
    1976
    Mitgründung Center for Libertarian Studies— ungefähr

    Mitbegründer des Center for Libertarian Studies, einer libertaeren Forschungs- und Vortragsorganisation.[6]

  13. 1977
    1977
    Mitgründung Cato Institute

    Mitbegründer des Cato Institute zusammen mit Charles Koch und Edward Crane; später Bruch mit dem Cato Institute. Im selben Jahr Gründung des „Journal of Libertarian Studies".[1]

  14. 1982
    1982
    Mitgründung Ludwig von Mises Institute

    Mitbegründer des Ludwig von Mises Institute in Auburn, Alabama; als Academic Vice-President zentrale akademische Figur des Instituts bis zu seinem Tod.[1]

  15. 1982
    1982
    „The Ethics of Liberty"

    Systematische Begründung des Naturrechts-Libertarianismus.[1]

  16. ⁦1986–1995⁩
    ⁦1986–1995⁩
    Professur an der University of Nevada, Las Vegas

    Professor an der University of Nevada in Las Vegas von 1986 bis 1995.[1]

  17. 1995
    1995
    „An Austrian Perspective on the History of Economic Thought“

    Erscheinen des zweibändigen, dogmenhistorischen Werks, das eine umfassende ökonomische Theoriegeschichte aus dem Blickwinkel der Austrians vorlegt.[1]

  18. 1995
    1995
    Tod

    Gestorben am 7. Januar 1995 in New York City.[1]

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 4
  1. ⁦1949–1959⁩
    ⁦1949–1959⁩

    Galt als der vielleicht bedeutendste Mises-Schüler in der Neuen Welt; Rothbard vertiefte die Ansätze seines Lehrers besonders in Geld-, Monopol- sowie Kapital- und Zinstheorie.[1]

  2. ⁦1956–1956⁩
    ⁦1956–1956⁩
    Joseph Dorfman⁦(1904–1991)⁩ · US-Wirtschaftsgeschichte

    Doktorvater an der Columbia University: nach Burns' Wechsel zu Eisenhowers Council of Economic Advisers wurde die Dissertation „The Panic of 1819" 1956 unter Joseph Dorfman akzeptiert.[1]

  3. —
    —
    Arthur Burns⁦(1904–1987)⁩ · NBER / US-Notenbank

    Ursprünglicher Doktorvater an der Columbia, lehnte die Dissertation „The Panic of 1819" jahrelang ab; Familienbekannter Rothbards. Erst nach Burns' Wechsel zu Eisenhowers Council of Economic Advisers (1953) konnte die Promotion abgeschlossen werden.

  4. —
    —
    Milton Friedman⁦(1912–2006)⁩ · Chicago School

    Intellektueller Gegenpol zu Milton Friedman: Rothbard als radikal-libertaerer austriazistischer Gegenentwurf zur monetaristischen Chicago School, mit zahlreichen öffentlichen Auseinandersetzungen über Geld-, Notenbank- und Konjunkturpolitik.[1]

Beeinflusste · 3
  1. ⁦1986–1995⁩
    ⁦1986–1995⁩

    Hoppe ging zu Studienzwecken in die USA und wurde langjähriger Schüler Murray N. Rothbards; er übernahm schließlich dessen Lehrstuhl an der University of Nevada, Las Vegas.[2]

  2. —
    —
    Samuel Edward Konkin III⁦(1947–2004)⁩ · US-Agorismus

    Samuel Edward Konkin III wird in der Wikipedia-EN-Infobox als „notable student" Rothbards aufgeführt; sein Agorismus baut explizit auf Rothbards anarchokapitalistischem Ansatz auf.[3]

  3. —
    —
    Walter Block⁦(1941–lebt)⁩ · Wiener Schule (zeitgenoessisch)

    Walter Block wird in der Wikipedia-EN-Infobox als „notable student" Rothbards geführt; sein Werk steht ausdruecklich in der Rothbard-Tradition.[5]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 7
  1. ⁦1949–1959⁩
    ⁦1949–1959⁩

    Teilnehmer am Mises-Privatseminar an der NYU von 1949 bis Ende der 1950er-Jahre, mit Aktivität bis in die 1970er Jahre.[1]

  2. ⁦1950–1962⁩
    ⁦1950–1962⁩
    William Volker Fund · US-Libertarismus (Förderfonds)

    William Volker Fund förderte Rothbard über zehn Jahre als Senior Analyst und Stipendiat – die finanzielle Basis seiner frühen Hauptwerke.[1]

  3. ⁦1977–1981⁩
    ⁦1977–1981⁩
    Charles Koch⁦(1935–lebt)⁩ · US-Libertarismus

    Mit Charles Koch und Edward Crane Mitbegründer des Cato Institute 1977; Bruch 1981.[6]

  4. ⁦1977–1981⁩
    ⁦1977–1981⁩
    Edward H. Crane⁦(1944–2026)⁩ · US-Libertarismus (Cato)

    Mitbegründer des Cato Institute 1977 zusammen mit Edward Crane und Charles Koch; Bruch 1981 (Rothbard wurde aus dem Vorstand entfernt).[7]

  5. 1980
    1980

    Garrison war über Jahrzehnte Adjunct Scholar am Mises Institute und teilte mit Rothbard die Verteidigung der Mises-Hayek-Konjunkturtheorie.

  6. ⁦1982–1995⁩
    ⁦1982–1995⁩
    Llewellyn H. Rockwell jr.⁦(1944–lebt)⁩ · Wiener Schule / Mises Institute

    Mit Lew Rockwell Mitbegründer des Ludwig von Mises Institute (Auburn, Alabama) 1982; Rockwell wird in mises.org/profile als „Institutsgründer" und akademischer Weggefaehrte Rothbards bis zu dessen Tod geführt.[1]

  7. ⁦1986–1995⁩
    ⁦1986–1995⁩

    Hoppe und Rothbard waren ab 1986 gemeinsam an der University of Nevada, Las Vegas, tätig; nach Rothbards Tod 1995 übernahm Hoppe dessen Lehrstuhl.

Murray N. Rothbard im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN29 Belege · 4 Quellen
  • [6]Hawley 2016: Right-Wing Critics of American Conservatism, S. 129, 164 · 2×
  • [7]Hawley 2016: Right-Wing Critics of American Conservatism, S. 129, 164, 166
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1960er
1962
"Man, Economy, and State" (Der Mensch, die Wirtschaft und der Staat) ist Murray N. Rothbards systematische Abhandlung zur ökonomischen Theorie. Ausgehend vom Handlungsaxiom und zwei Hilfspostulaten leitet Rothbard das gesamte Lehrgebäude der Ökonomik Schritt für Schritt ab und führt von der Crusoe-Ökonomie und dem Naturaltausch über den indirekten Tausch, die Preisbildung der Konsumgüter, eine integrierte Theorie der Produktion, des Kapitals und des Zinses sowie die Faktorpreisbildung bis zum Unternehmertum. Er vertritt eine reine Zeitpräferenztheorie des Zinses, die er mit Frank Fetters Rententheorie verbindet, verwirft die vorherrschende kurzfristige Theorie der Unternehmung und legt dar, dass ein Monopolpreis allein aus einem staatlich gewährten Privileg entstehen kann. Die abschließenden Kapitel wenden die praxeologische Analyse auf die Zwangsintervention an: Preiskontrolle, Besteuerung, Inflation, Konjunkturzyklen und Staatsausgaben. Das Buch enthält Rothbards Vorwort, einen umfangreichen Fußnotenapparat und eine vollständige Bibliographie.
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
The Case for a 100 Percent Gold Dollar
OriginalEnglisch
The Panic of 1819: Reactions and Policies
OriginalEnglisch
1963
In dieser kurzen Monografie, erstmals 1963 erschienen, erläutert Murray N. Rothbard den Ursprung und die Funktion des Geldes sowie die Folgen der staatlichen Kontrolle darüber. Der erste Teil leitet das Geld aus dem freien Markt ab: als das absatzfähigste Gut, das im indirekten Tausch ausgewählt und nach Gewicht gehandelt wird, mit privater Münzprägung und Vollreserve-Lagerhaltung. Rothbard legt dar, dass jede beliebige Geldmenge ausreicht und dass Inflation, definiert als nicht durch den Metallbestand gedeckte Geldsubstitute, lediglich Vermögen umverteilt. Der zweite Teil zeichnet nach, wie sich der Staat der Münzstätte bemächtigt, die Münze verschlechtert, das Greshamsche Gesetz ausnutzt, Zentralbanken errichtet und schließlich den Goldstandard aufgibt. Ein dritter Teil, der 1974 hinzugefügt wurde, schildert den monetären Zusammenbruch des Westens in neun Phasen, vom klassischen Goldstandard bis zu den schwankenden Fiat-Währungen nach 1973.
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
1965
Left and Right: A Journal of Libertarian Thought, 1965–1968 [Hg.]
OriginalEnglisch
1969
Economic Depression: Causes and Cures
OriginalEnglisch
The Libertarian Forum, 1969–1984 [Hg.]
OriginalEnglisch
1970er
1970
Power and Market analysiert mit den Mitteln der praxeologischen Ökonomie die Wirkungen staatlicher Eingriffe in Markt und Gesellschaft. Murray N. Rothbard ordnet jede Form der Intervention drei Typen zu: autistische, binäre und trianguläre Eingriffe, und zeigt für jeden, dass er den Nutzen der Beteiligten mindert und Ressourcen fehllenkt. Im ersten Kapitel argumentiert er, dass selbst Verteidigungs- und Rechtsleistungen marktlich erbracht werden könnten, sodass der Staat überflüssig sei. Die Mittelkapitel behandeln Preiskontrollen, Monopolprivilegien (Lizenzen, Zölle, Patente, Konservierungsgesetze), die Inzidenz und Wirkung von Steuern sowie Staatsausgaben. Das vorletzte Kapitel kritisiert antimarktliche Ethiken (Gleichheit, Sicherheit, Nächstenliebe per Zwang) als teils widersprüchlich. Das Werk, ursprünglich als Schlussteil von Man, Economy, and State verfasst, erschien zuerst 1970.
OriginalEnglisch
1972
A New History of Leviathan [ed. with Ronald Radosh]
OriginalEnglisch
Murray N. Rothbards Essay argumentiert, dass Bildung ein individueller, lebenslanger Selbstentwicklungsprozess ist und dass staatlicher Schulzwang diesem Wesen widerspricht. Da Menschen in Begabung, Tempo und Interessen stark verschieden sind, sei Einzelunterricht durch die Eltern das Ideal, während der staatlich verordnete Einheitsunterricht alle Kinder in eine uniforme Form presse. Der erste Teil entfaltet diese individualistische Bildungstheorie und die Grundfrage, ob Eltern oder Staat über das Kind verfügen. Der zweite und dritte Teil liefern eine historische Darstellung des Schulzwangs: von der Reformation (Luther, Calvin) über Preussen, Frankreich und England bis zu Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus sowie der Entwicklung in den USA von Neuengland bis zur "progressive education". Rothbard stützt sich auf Spencer, Isabel Paterson und Ludwig von Mises und deutet staatliche Schulbildung als Werkzeug der Vereinheitlichung und Gehorsamserziehung.
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ARTIKEL · 173 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1940er
1949
Our Future [Rezension zu George Orwell, Nineteen Eighty-Four]
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1950er
1951
Mises’s Human Action: Comment
OriginalEnglisch
Praxeology: Reply to Mr. Schuller
OriginalEnglisch
1956
Toward a Reconstruction of Utility and Welfare Economics
OriginalEnglisch
1957
Catholicism, Protestantism, and Capitalism
OriginalEnglisch
Huntington on Conservatism: A Comment
OriginalEnglisch
In Defense of “Extreme Apriorism”
OriginalEnglisch
Letter to Ayn Rand (3. Oktober 1957)
OriginalEnglisch
The Single Tax: Economic and Moral Implications
OriginalEnglisch
1958
A Note on Burke’s Vindication of Natural Society
OriginalEnglisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise