FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 028

Oskar Morgenstern

Werke
28
Artikel
233
Generation
4.
Porträt von Oskar Morgenstern
FOL. 04 · N° 028 · Oskar Morgenstern
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Aus dem sächsischen Görlitz stammend, studierte Morgenstern Staatswissenschaften in Wien, wurde bereits während seines Studiums Assistent bei Hans Mayer und promovierte 1925. Nach einem mehrjährigen Studienaufenthalt im Ausland fungierte er als Mitarbeiter im Österreichischen Institut für Konjunkturforschung bei Friedrich August von Hayek und wurde zwei Jahre später dessen Nachfolger. Mit Wirtschaftsprognose: Eine Untersuchung ihrer Voraussetzungen und Möglichkeiten konnte er sich 1929 habilitieren und lehrte bis 1938 in Wien. Auf Grund seiner intellektuellen Brillanz und seiner beachtlichen Arbeitsenergie gehörte Morgenstern bald zum inneren Kreis der Österreichischen Schule. Als Universitätslehrer, Leiter des Instituts für Konjunkturforschung, Schriftleiter der Zeitschrift für Nationalökonomie, Vorstandsmitglied der Nationalökonomischen Gesellschaft, Berater der Österreichischen Nationalbank und des Handelsministeriums, Teilnehmer am Mises-Privatseminar sowie als Initiator und Autor regelmäßiger wirtschaftspolitischer Kolumnen bespielte er beinahe jedes Feld. Als Ludwig von Mises ab 1933 damit begann, offen seinen Apriorismus zu vertreten, ging Morgenstern zu ihm auf Distanz. Seine Hinwendung zur Mathematik vertiefte diesen Graben, der ihn von Mises trennte, noch weiter. Zu einer Eskalation kam es wohl nur deshalb nicht, weil Mises bald nach Genf übersiedelte. Im Zuge des Anschlusses an Hitler-Deutschland 1938 wurde Morgenstern als Institutsleiter abgesetzt und verlor seine Lehrbefugnis. In der Folge emigrierte er in die USA, ließ sich an der Universität Princeton nieder und publizierte gemeinsam mit dem Mathematiker John von Neumann (1903-1957) die bahnbrechende Theory of Games and Economic Behaviour (1944). Bald zählte Morgenstern zur amerikanischen Elite der Sozialwissenschafter und arbeitete für renommierte „Think Tanks“, die Atomenergiekommission sowie das Weiße Haus. Seinem Herkunftsland blieb er bis zum Tode verbunden, indem er 1963 die Gründung des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien mitinitiierte und eine wissenschaftliche Beiratsfunktion übernahm.
Metadaten
24. Januar 1902
26. Juli 1977
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1902
    1902
    Geburt

    Geboren am 24. Januar 1902 in Görlitz, Provinz Schlesien, Preußen.[1]

  2. ⁦1920–1925⁩
    ⁦1920–1925⁩
    Studium der Staatswissenschaften— inferiert

    Studierte Staatswissenschaften in Wien und wurde bereits während seines Studiums Assistent bei Hans Mayer.

  3. 1923
    1923
    Assistent bei Hans Mayer— ungefähr

    Ab 1923 Assistent am Lehrstuhl für Politische Ökonomie bei Hans Mayer an der Universität Wien.[8]

  4. 1925
    1925
    Promotion

    Promovierte 1925 in Wien.[1]

  5. ⁦1925–1928⁩
    ⁦1925–1928⁩
    Rockefeller Fellowship

    Dreijaehrige Rockefeller-Forschungsstipendien-Reise an amerikanischen und europäischen Universitäten.[1]

  6. 1929
    1929
    Habilitation mit „Wirtschaftsprognose“

    Habilitierte sich 1929 mit „Wirtschaftsprognose: Eine Untersuchung ihrer Voraussetzungen und Möglichkeiten“ in Wien.[1]

  7. ⁦1929–1938⁩
    ⁦1929–1938⁩
    Lehrtätigkeit in Wien

    Lehrte bis 1938 an der Universität Wien. Mitarbeiter, später Nachfolger Friedrich August von Hayeks am Österreichischen Institut für Konjunkturforschung; Schriftleiter der Zeitschrift für Nationalökonomie, Vorstandsmitglied der Nationalökonomischen Gesellschaft, Berater der Nationalbank und des Handelsministeriums sowie Teilnehmer am Mises-Privatseminar.

  8. ⁦1930–1938⁩
    ⁦1930–1938⁩
    Schriftleiter Zeitschrift für Nationalökonomie

    Schriftleiter der „Zeitschrift für Nationalökonomie" von 1930 bis zur erzwungenen Emigration 1938.[1]

  9. ⁦1931–1938⁩
    ⁦1931–1938⁩
    Direktor des Instituts für Konjunkturforschung

    Leitete als Nachfolger Friedrich August von Hayeks von 1931 bis 1938 das Österreichische Institut für Konjunkturforschung in Wien.[1]

  10. 1938
    1938
    Emigration in die USA

    Im Zuge des Anschlusses an Hitler-Deutschland 1938 als Institutsleiter abgesetzt und Lehrbefugnis verloren. Emigrierte in die USA und ließ sich an der Universität Princeton nieder.[1]

  11. ⁦1938–1970⁩
    ⁦1938–1970⁩
    Professur Princeton

    Professor an der Princeton University von 1938 bis zur Emeritierung 1970; ab 1944 zudem in enger Zusammenarbeit mit John von Neumann am Institute for Advanced Study.[1]

  12. 1944
    1944
    „Theory of Games and Economic Behaviour“

    Publizierte gemeinsam mit dem Mathematiker John von Neumann die bahnbrechende „Theory of Games and Economic Behaviour“.[1]

  13. 1944
    1944
    Heirat mit Dorothy Young; US-Buergerschaft

    Heiratete 1944 Dorothy Young; im selben Jahr Erwerb der US-Staatsbuergerschaft.[9]

  14. 1963
    1963
    Mitinitiator des IHS

    Initiierte 1963 mit anderen die Gründung des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien und übernahm eine wissenschaftliche Beiratsfunktion.

  15. ⁦1970–1977⁩
    ⁦1970–1977⁩
    Professur New York University

    Nach der Princeton-Emeritierung 1970 wechselte er an die New York University und lehrte dort bis zu seinem Tod 1977.[1]

  16. 1976
    1976
    Großes Goldenes Ehrenzeichen— ungefähr

    Erhielt 1976 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.[1]

  17. 1977
    1977
    Tod

    Gestorben am 26. Juli 1977 in Princeton, USA.[1]

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 2
  1. ⁦1925–1925⁩
    ⁦1925–1925⁩

    Wurde bereits während seines Studiums Assistent bei Hans Mayer am Lehrstuhl für Politische Ökonomie der Universität Wien und promovierte 1925 unter ihm.[1]

  2. —
    —

    Strigl pragte laut mises.org-Strigl-Biographie die Denker der vierten Wiener Generation – Hayek, Haberler, Machlup, Morgenstern – als Lehrer wie kaum ein anderer; seine systematische Expositionsweise war im Hörsaal prägend.[4]

Beeinflusste · 2
  1. —
    —
    Lionel W. McKenzie⁦(1919–2010)⁩ · US-Neoklassik

    Lionel W. McKenzie wird in der Wikipedia-EN-Infobox als Doktorand Morgensterns aufgeführt.[10]

  2. —
    —
    Martin Shubik⁦(1926–2018)⁩ · Spieltheorie

    Martin Shubik wird in der Wikipedia-EN-Infobox als Doktorand Morgensterns geführt; promovierte an der Princeton University in den 1950er-Jahren.[11]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 8
  1. ⁦1920–1934⁩
    ⁦1920–1934⁩

    Mit-Teilnehmer am Mises-Privatseminar in Wien.

  2. ⁦1929–1934⁩
    ⁦1929–1934⁩

    Beide Teilnehmer am Mises-Privatseminar; gleichzeitig Vorgaenger/Nachfolger an der Spitze des Konjunkturforschungsinstituts (Hayek bis 1931, Morgenstern 1931-38).[5]

  3. ⁦1929–1934⁩
    ⁦1929–1934⁩

    Beide Teilnehmer am Mises-Privatseminar; mises.org-Liste führt Machlup und Morgenstern als regelmäßige Teilnehmer.[5]

  4. ⁦1929–1934⁩
    ⁦1929–1934⁩

    Haberler hielt seine Lehrveranstaltungen an der Universität Wien teilweise gemeinsam mit Oskar Morgenstern.[5]

  5. ⁦1929–1938⁩
    ⁦1929–1938⁩

    Teilnehmer am Mises-Privatseminar in Wien als Mitglied des inneren Kreises der Österreichischen Schule.[5]

  6. ⁦1930–1938⁩
    ⁦1930–1938⁩

    Co-Herausgeber der „Zeitschrift für Nationalökonomie" mit Oskar Morgenstern; gemeinsame Verbreitung österreichisch-ökonomischer Ideen.[7]

  7. ⁦1944–1944⁩
    ⁦1944–1944⁩
    John von Neumann⁦(1903–1957)⁩ · Spieltheorie / Wiener Kreis (Mathematik)

    Publizierte 1944 gemeinsam mit dem Mathematiker John von Neumann die bahnbrechende „Theory of Games and Economic Behaviour" – Geburtsstunde der Spieltheorie.[1]

  8. —
    —

    Morgenstern stand in regem Briefwechsel mit Kauder und ermutigte dessen wissenschafts­historische Arbeit über die Marginalismusgeschichte.[6]

Oskar Morgenstern im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN27 Belege · 5 Quellen
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1928
Wirtschaftsprognose, eine Untersuchung ihrer Voraussetzungen und Möglichkeiten
OriginalDeutsch
1930er
1932
A. de Viti de Marco, Grundlehren der Finanzwirtschaft [Hrsg.]
OriginalDeutsch
1934
Beiträge zur Konjunkturforschung [Hrsg.]
OriginalDeutsch
Die Grenzen der Wirtschaftspolitik
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
1940er
1944
Theory of Games and Economic Behavior [with John von Neumann]
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Theory of Games and Economic Behavior, 2nd. ed., revised and enlarged [with John von Neumann]1947
    OriginalEnglisch
  • Theory of Games and Economic Behavior, 3rd edition, revised1953
    OriginalEnglisch
  • Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten1961
    OriginalDeutsch
1950er
1950
On the Accuracy of Economic Observations
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Über die Genauigkeit Wirtschaftlicher Beobachtungen1952
    OriginalDeutsch
  • On the Accuracy of Economic Observations, 2nd completely revised edition1963
    OriginalEnglisch
  • Über die Genauigkeit Wirtschaftlicher Beobachtungen, 2., völig neu bearbeitete und erweiterte Auflage1965
    OriginalDeutsch
  • 経済観測の科学 : 経済統計の正確性1968
  • Précision et incertitude des données économiques1972
    OriginalFranzösisch
1954
Economic Activity Analysis [ed.]
OriginalEnglisch
1955
Studi di Metodologia Economica
OriginalItalienisch
1957
Der theoretische Unterbau der Wirtschaftspolitik
OriginalDeutsch
1959
International Financial Transactions and Business Cycles
OriginalEnglisch
ARTIKEL · 233 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1926
[Rezension zu] George Peel: The Financial Crisis of France
OriginalDeutsch
[Rezension zu] T. E. Gregory: The Present Position of Banking in America
OriginalDeutsch
1927
[Rezension zu] Charles O. Hardy und Garfield V. Cox: Forecasting Business Conditions
OriginalDeutsch
[Rezension zu] Clyde William Phelps: The Foreign Expansion of American Banks
OriginalDeutsch
[Rezension zu] E. M. Burns: Wages and the State
OriginalDeutsch
[Rezension zu] James Bonar: The Tables Turned. A Lecture and Dialogue on Adam Smith and the Classical Economists
OriginalDeutsch
[Rezension zu] Joseph Schumpeter: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
OriginalEnglisch
Die andere Seite der Konjunkturforschung
OriginalDeutsch
Francis Y. Edgeworth
OriginalDeutsch
Friedrich von Wieser, 1851–1926
OriginalEnglisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise